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Wer ich bin

Last updated on 8. Oktober 2019

Photo by Ravi Roshan

Ich hatte diese Art von Beitrag schon einmal vor ein paar Jahren. Damals, als der Blog noch so etwas wie aktiv war und nicht nur aus drei hingeklatschten Beiträgen bestand. Also finde ich, dass jetzt wieder die Zeit für einen solchen Beitrag ist. Vielleicht auch, um den ein oder anderen zu erklären wer ich bin und was mich bewegt.

Ich fange einfach einmal ganz simpel an. Mit der Gegenwart. Ich bin heute 22 Jahre alt, geboren am 18. März 1997 um 6 Uhr. Ich bin gute 1,70 m groß und wiege rund 100 Kilogramm. Mit anderen Worten: Ja ich bin dick. Und das sogar ziemlich. Ein Zustand, der mir selbst nicht gerade gefällt, sich aber noch nicht unter Kontrolle hat bringen lassen. Bin jetzt, nach dem meine letzte Beziehung mehr oder minder schön war, wieder Single. Es hatte sich nach all der Zeit, die verstrichen war, einfach auseinandergelebt. Ich studiere derzeit Informatik an der Hochschule Nordhausen im 3. Semester. Jedoch weiß ich noch nicht, ob ich auch wirklich in Nordhausen bleibe oder ob ich nicht vielleicht doch, das Weite suche. Manchmal wäre so ein „Tapetenwechsel“ gar nicht so verkehrt!

So viel zur Gegenwart. Ich will mich mit euch jedoch einmal auf eine Achterbahnfahrt begeben. Einer Achterbahnfahrt durch mein Leben.

Die Trennung

Begonnen hat damals alles mit dem Tag, an dem sich meine Mutter von meinem Vater nach Jahren der Probleme getrennt hatte. Ich weiß heute über meinen Vater, ich war damals schlicht und ergreifend einfach noch zu jung, dass er pädophil war und es wohl an dem Pflegekind, was wir damals bei uns hatten ausgelebt hat. Dieser Vorfall ist auch das, was meine Mutter schlussendlich dazu bewegt hat, sich endgültig von ihm zu trennen. Unter normalen Umständen wäre vielleicht nach der Trennung auch Ruhe gewesen. Nicht so in unserem Fall. Mein Vater ist uns jahrelang nach, hat uns verfolgt und bedrängt. Ich bin in meiner Kindheit durch diesen Mann etliche Male umgezogen. Er hat selbst einst versucht, mich zu entführen. Glücklicherweise unerfolgreich. Ich selbst habe ziemlich wenige Erinnerungen an diese Vorfälle. Dafür war ich damals, ich müsste 7 Jahre alt gewesen sein, einfach noch viel zu jung. Trotz all dem was er uns angetan hat, konnte ich letztlich doch meinen Frieden damit finden und damit abschließen. Ich bin ehrlich gesagt auch froh, dass ich mich bei weitem einfach nicht an alles erinnern kann.

Schulzeit – Beginn einer Odyssee

Ich bezeichne meine Schulzeit oft als den schlimmsten Teil meines Lebens. Auch wenn ich mir selbst gar nicht einmal so sicher bin, was nun wirklich das schlimmste Erlebnis war. Zu verschwommen sind meine Erinnerungen. Ich bin damals nach meiner Grundschulzeit auf Grund der Erlebnisse mit meinem Vater auf eine spezielle, einem Förderzentrum, gegangen. Was sicherlich nicht überrascht, wenn man bedenkt, welche psychischen Probleme ich damals, teilweise noch bis heute, hatte. Die Krankheit, die sich daraus entwickelt hat, nennt man „selektiven Mutismus“. Kurz umrissen ist das so viel wie die Unfähigkeiten vor einigen Menschen- und Gruppen zu sprechen. Ich bin schlicht nicht in der Lage dazu. Selbst wenn ich eigentlich reden will. Die Panik und Angst, die in solchen Situationen in mir aufsteigt, verhindert es schlicht weg. Dadurch habe ich eine solche Angst vor Menschenmassen entwickelt, dass ich mir teilweise überlege, ob ich gewissen Aktivitäten nachgehe, weil ich Angst davor hatte, in solche Situationen zu kommen. Ich hatte zum Beispiel lange Zeit damit Probleme, mir etwas zu essen zu bestellen. Telefonieren funktioniert bis heute nicht.

Aber zurück zu diesem Förderzentrum. An sich sollten wir alle dort ganz normal unseren mittleren Schulabschluss machen können. Nur eben unter der Prämisse, dass wir dort gefördert werden, da wir alle unsere kleinen „Problemchen“ zu tragen hatten. Jedoch kam es nie soweit. Das Programm wurde damals, als ich in der 7. Klasse war, also etwa 2011, ich habe es leider nicht so mit Jahreszahlen, eingestellt. Wie wir damals über unsere Klassenlehrerin, ich verdanke dieser Frau bis heute enorm viel, erfahren haben, wohl nur weil es dem damaligen Direktor ein zu weiter Weg war, um von seinem zu unserem Schulteil zu kommen. Anfangs hieß es noch, dass wir mit in ein Gymnasium kommen sollten. Dass wir dort weitergefördert werden sollten und sogar die Option bekommen sollten, dort mit das Abitur ablegen zu können. Jedoch kam es, überraschenderweise, dazu jedoch auch nicht. Am Ende sind wir mit in den genannten anderen Schulteil des Direktors, der nicht viel mehr als eine Hilfsschule, eine Sonderschule war. Und dementsprechend wurden wir auch behandelt. Wir waren einfach nur die Dummen, die die nichts konnten. Viel mit Förderung war dann dort an diesem Förderzentrum nicht mehr. Die gesamte Klasse wurde sogar mal ein Jahr zurückgestuft, weil wir das angeblich „gebraucht“ haben. Wie ich im Nachgang herausgefunden habe, wohl nur, weil die Schule damals dringend Schüler brauche, um nicht Gefahr zu laufen, geschlossen zu werden.

Der Schicksalsschlag

Schön wäre es, wenn ich jetzt sagen könnte, dass es das zumindest mit den negativen Erlebnissen in meinem Leben war. Nur leider wäre das gelogen. Über die Jahre hinweg erkrankten mein Stiefvater, wie auch meine Mutter beide schwer. Zuerst mein Stiefvater, der durch einen damaligen Arbeitsunfall und dem damit verbundenen Behandlungsfehler das rechte Bein bis zur Kniescheibe verlor und damit seine damalige Arbeit aufgeben musste. Darauf folgte dann meine Mutter, die seit ihrem Bandscheibenvorfall stark Morphium abhängig ist. Seitdem sind beide mehr oder weniger arbeitsunfähig und wir haben von der Rente meiner Mutter gelebt. Und genau diese Rente ist immer und immer wieder ein Problem. Es wäre schön, wenn man sagen könnte, dass sie zwar diese Krankheit hat, jedoch bis ans Ende ihres Lebens eben diese Rente bekommt. Falsch gedacht. Immer wieder, wenn es um die Weiterbewilligung dieser ging, wurde sie erst einmal abgelehnt. Als würde das Problem einfach verschwinden. Ähnlich ist die Situation im Übrigen auch bei meinem Stiefvater, der ja auch ein kleinwenig Rente bekommt. Und derzeit nähern wir uns wieder einer Situation, wo es um die Weiterbewilligung dieser Rente geht.

Daraus entstand dann, dass wir Jahre lang am absoluten Existenzminimum, von Hartz 4 gelebt haben. Ich habe am eigenen Leib erfahren, wie es ist, wenn die Entscheidung gefällt werden muss, ob man denn nun die Rechnung bezahlt oder den Kühlschrank füllt.

Liebe, Hass und Wut

Vielleicht war es ein Fehler, sich darauf zu verlassen, jemals die Stütze in der Liebe zu finden, die ich für mein Leben brauche. Vielleicht war es das aber auch nicht. Nur wenn ich mein Liebesleben Revue passieren lasse, komm ich leider immer wieder zu dem einen Schluss: Ich habe leider nie die Stütze gefunden, die ich gewollt habe. Mein Liebesleben ist voll mit kleinen bis großen Katastrophen. An dessen Ende immer wieder ein kleiner, verängstigter Junge stand.

Jetzt nach gut sieben vergangenen Monaten lassen die Schmerzen zwar nach, die Wut aber nicht. Nicht die Wut auf sie, sondern die Wut auf mich. Die Wut, dass ich so dumm und verblendet war mich auf sie einzulassen. Ich rede es mir persönlich immer damit schön, dass sie mich vielleicht ganz am Anfang doch gemocht hat. Dass sie genauso gehofft hat, dass es hält. Ich weiß nur nicht, wann es dazu übergegangen ist, dass ich nur noch ein Mittel zum Zweck war.

Published inMein Leben

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Torte
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Torte

Es ist interessant aber auch traurig zu hören. Eine Schule wie haubinda hätte dir da damals viel helfen können. Aber ich hoffe die Achterbahn bekommt auch mal ordentliche Berge und dass du dein Leben genießen kannst. Niemand verdient so eine Kindheit und erst recht niemand verdient so einen Vater.

Mfg. “Torte”