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Das Autofahren: Geliebt und gehasst

Last updated on 28. August 2019

Photo by Connor Williams on Unsplash
Photo by Connor Williams on Unsplash

Man kann das hier vielleicht mehr wie eine Antwort sehen, eine Stellungnahme oder vielleicht wie eine Rechtfertigung. In gewisser Weise ist es aber auch eine Liebeserklärung. Eine Liebeserklärung an etwas, was mir meinen heutigen Lebensstil überhaupt erst ermöglicht und welchen ich auch gerne halten würde. Ich habe aber persönlich mehr und mehr den Eindruck, dass das Autofahren mehr zu etwas “Bösen”, etwas Verwerflichem geworden ist. Ein Stück weit stimmt das vielleicht auch.

In einem Punkt sind wir uns einig, das Autofahren ist umweltschädlich. Aber es ist auch unglaublich nützlich und damit sind wir am eigentlichen Punkt meiner Liebe zum Autofahren. Es ist nicht nur, weil ich unbedingt Autofahren will, sondern es ist mehr zu einer Notwendigkeit geworden. Ich habe hier nicht die Möglichkeit, da ich eben nicht in einer Stadt, sondern nur in einem ~ 300 Seelen Dorf lebe, groß den ÖPNV zu nutzen. Ganz einfach, weil er oft gar nicht fährt oder zu solchen Zeiten fährt, dass es beinah etwas absurd geworden ist. Die andere Frage ist, wie auf dem Land so oft, wenn er fährt, hält er sich denn dann auch an seinen Fahrplan? Sagen wir mal, dass lässt sich abkürzen: Nein. Damals in meiner Schulzeit, bevor ich Autofahren konnte, war ich auf Grund der Tatsache, dass meine Schule in einem anderen Landkreis lag, darauf angewiesen mit dem Zug zu fahren. Soweit auch ziemlich unspektakulär. Wäre da nicht die Sache mit den, leider, theoretischen Busverbindungen. Die oft dazu geführt haben, dass ich den Bus zwar gesehen, aber nie mitgefahren bin, da man offensichtlich kein Interesse dran hatte, sich an seine Fahrzeit zu halten. Und ich hatte kein Interesse dran, eine Stunde auf den nächsten zu warten. So endete es beim Laufen. Zweieinhalb Kilometer morgens zum Bahnhof hin und nachmittags wieder zurück. Plus noch anderthalb Kilometer in der Stadt der Schule. Wenn schon laufen, dann richtig. Ist ja gesund.

Photo by Max Langelott on Unsplash

Umso freier fühlte ich mich, als ich mit 20 endlich den Führerschein und direkt ein eigenes Auto, damals ein Nissan Pixo, bekam. Mir kam es so vor, als würde mir die Welt zu Füßen liegen. Und das ist auch das, was mich heute überhaupt immer noch beim Autofahren hält: Freiheit. Nicht, weil ich der “Coolste” sein will. Nein, eben weil ich es liebe, ironischerweise habe ich es in der Anfangszeit gehasst Auto zu fahren, tun und lassen zu können, was ich will. Ich bin vielleicht auch ein Sonderfall. Ich habe für mich selbst z. B. entschieden, dass ich eigentlich niemals vor habe wirklich in eine Stadt zu ziehen. Schon allein, weil ich Stadtverkehr hasse. Weite, leere Landstraßen sind meine Welt. So sehr ich auch Köln oder Berlin mag. Eines liebe ich dann doch mehr, für mich selbst zu sein. Mein idealisiertes Zuhause ist eigentlich irgendwo am See, fern von Nachbarn und dem Lärm der Zivilisation. Nicht falsch verstehen, ich bin gern unter Menschen. Aber eben auch nur von Zeit zu Zeit. Vielleicht auch, weil es mir durch meinen Mutismus und den damit verbundenen Ängsten und Panikattacken schwerfällt, lange unter fremden Menschen zu bleiben. Und wie es eben mit der Psyche ist: Man kann lernen, damit umzugehen. Verschwinden tut es aber eigentlich nie.

Ich bin mir bei all der Liebe zum Autofahren, zu Chevrolet und meinem Diesel aber eben auch der negativen Konsequenzen bewusst. Ich bin wahrscheinlich der Erste, wenn ich das Geld dafür habe, der auf ein Elektroauto umsteigt, solange es meinen Diesel voll und ganz ersetzen kann. Wie eingangs erwähnt, fahre ich gern, oft, auch schnell und vor allen gern weite Strecken. Ich fahre vielleicht nicht oft weit weg, dass aber auch nur, weil der Geldbeutel und die Zeit oft dann doch nicht so wirklich mitspielen wollen. Und so etwas ist mit einem E-Auto eher spärlich umzusetzen… Ganz abgesehen von den Anschaffungskosten eines solchen Autos. Ich bin auf gewisse Art und Weise einen anderen Kompromiss eingegangen. Ich vermeide das Autofahren in der Stadt soweit es möglich ist. In all meinen Städtereisen mit dem Auto, wurde dieses auf dem nächstgelegenen Parkplatz abgestellt und ab da an wird der ÖPNV benutzt oder es wird ganz altmodisch einfach gelaufen. Ganz einfach, weil Autofahren in der Stadt oft mehr anstrengt, als es am Ende wirklich wert ist.

Kleine Ergänzung: Als Inspiration diente der Text Meine eigene Verkehrswende: Vom Landei zum Stadtbewohner von der lieben Lea, welchen ich nur empfehlen kann. 🙂

Published inGesellschaft

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